Wenn die Finger sich nicht mehr strecken lassen

Sind unsere Hände durch Schmerzen, Verletzungen oder Verkrümmungen beeinträchtigt, werden selbst die einfachsten Aufgaben zum Problem – uns sind im wahrsten Sinne des Wortes die Hände gebunden.

„Zu den häufigen ambulanten Eingriffen an der Hand gehört der Morbus Dupuytren“, sagt Dr. Holger Göbel, Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, der pro Jahr rund 350 ambulante Operationen an der Hand durchführt. Bei der Dupuytren’schen Erkrankung können die Finger nicht mehr frei gestreckt werden und krümmen sich in Richtung der Handinnenfläche.

Etwa 1,9 Millionen Dupuytren-Patienten gibt es in Deutschland. Die Ursache ist eine gutartige Wucherung des Bindegewebes. Es wächst um die Fingersehnen und behindert so die Fingerstreckung.

Forscher vermuten eine erbliche Veranlagung, kombiniert mit einem Auslöser, zum Beispiel Verletzungen. Häufig kommt die Dupuytren’sche Erkrankung bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Epilepsie oder starkem Alkoholkonsum vor. In den meisten Fällen tritt sie jedoch ohne ersichtlichen Grund auf.

Symptome der Dupuytren’schen Krankheit

Das erste Symptom, das die Patienten bemerken, ist meist eine langsame Verhärtung der Handinnenfläche. Es dauert im Normalfall aber Monate bis Jahre, bis die knotige oder strangartige Verdickung auch die Beugung in den Fingergrundgelenken oder Fingermittelgelenken einschränkt. Der Arzt spricht dann von einer Beugekontraktur.

Die Dupuytren’sche Krankheit betrifft am häufigsten Ringfinger und kleine Finger. In manchen Fällen kann auch der Daumen nicht mehr gestreckt oder abgespreizt werden. Die Hälfte aller Patienten hat Beschwerden an beiden Händen.

Behandlungsmethoden bei der Dupuytren’schen Krankheit

Die Krankheit an sich ist bisher noch nicht heilbar, stellt aber auch keine Gefahr fürs Leben des Patienten dar. Der Arzt wählt die passende Therapie nach den Beschwerden und Einschränkungen des Patienten. Eine Therapie ist nicht in jedem Fall notwendig. Im fortgeschrittenen Alter wachsen die Knoten meist sehr langsam und behindern viele Betroffene nicht allzu sehr. Eine individuelle Beratung ist daher sinnvoll.

„Die konservative Therapie steht zunächst im Vordergrund“, erklärt Dr. Göbel. „Erst wenn die Beschwerden des Patienten durch konservative Maßnahmen nicht mehr zu therapieren sind, beziehungsweise die alltägliche Gebrauchsfähigkeit eingeschränkt ist, rate ich den Patienten zu einer Operation.“

Die Operation bei der Dupuytren’schen Krankheit

Der Eingriff kann in Voll- oder Teilnarkose erfolgen. Er wird in Blutleere durchgeführt. Hierbei wird mittels einer Gummibinde das Blut aus dem Arm gepresst und im Anschluss eine Druckmanschette am Oberarm angelegt, um den Einfluss von Blut während der Operation zu verhindern.

„Bei der offenen Operation erfolgt durch eine spezielle Schnitttechnik die Eröffnung der Haut“, erklärt Dr. Göbel. „Im Anschluss wird das erkrankte Gewebe dargestellt. Entlang der Nerven und Gefäße erfolgt die Entfernung der Veränderungen. Gegebenenfalls ist die Lösung einer Gelenksteife erforderlich.“

Als Alternative nehmen Ärzte sogenannte Nadelfaziotomieen vor. „Der minimal-invasive Eingriff erfolgt üblicherweise ambulant in örtlicher Betäubung“, erklärt Dr. Göbel. Der Arzt schwächt die Dupuytren-Stränge mit Nadelstichen so weit, dass sie gestreckt und zerrissen werden können. „Durch die Nadelbehandlung nimmt die Anzahl der offenen Operationen bei Morbus Dupuytren in den letzten Jahren deutlich ab“, so Dr. Göbel. „Die Patienten ersparen sich damit im Frühstadium sowohl die Risiken des offenen Eingriffs, als auch eine oft langwierige Nachbehandlung.“ Eine Nadelfisziotomie dauert etwa fünf bis zehn Minuten, Operationen der Hand können 20 Minuten bis zwei Stunden betragen.

Wie bei allen Operationen besteht das Risiko von Infektionen und Wundheilungsstörungen.

Nach der Operation

„Zunächst erfolgt am Operationstag gegen Abend ein persönlicher Anruf beim Patienten. Neben der Anpassung der Schmerzmedikation erfolgt die individuelle Beratung über den weiteren Verlauf nach der ambulanten Operation“, erklärt Dr. Göbel. „Bei allen Patienten wird am ersten beziehungsweise zweiten postoperativen Tag der erste Verbandswechsel durchgeführt.“ Im Anschluss an die OP ist eine physiotherapeutische Behandlung notwendig, bei der die Beweglichkeit der Finger trainiert wird.

Der Artikel erschien zuerst in einer Verlagsbeilage der Berliner Zeitung vom 28.11.2016; die vorliegende Version wurde geringfügig überarbeitet.